Karlskirche Wien

Die Karlskirche in Wien gilt, neben den allerdings nur schlecht erhaltenen Bauten in der Schloßanlage Schönbrunn, als das Hauptwerk des Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach. Den Wienern war die Karlskirche auch lange Zeit Symbol und Ausdruck der österreichischen Lebensfreude nach dem Ende der Türkenkriege im 18. Jahrhundert.

Karlskirche Wien Hauptportal
Bild ©  Verein der Freunde und Gönner der Wiener Karlskirche

Neben ihrer Rolle als Pfarrkirche der Pfarre St. Karl Borromäus und als Sitz der katholischen Hochschulgemeinde der technischen Universität Wien, ist die Karlskirche auch Spielplatz der Wiener Konzerte des Orchesters 1756: dem Mozart Requiem in d-Moll und Vivaldis Vier Jahreszeiten.


Geschichte der Karlskirche

Johann Bernhard Fischer von Erlach Im Jahr 1713 nach der letzten großen Pestepidemie gelobte Kaiser Karl VI. eine Kirche für seinen Namenspatron Karl Borromäus zu bauen, der auch als Pestheiliger gilt. Er schrieb einen Architektenwettbewerb aus, bei dem sich Johann Bernhard Fischer von Erlach unter anderem gegen Ferdinando Galli-Bibiena und gegen seinen langjährigen Konkurrenten Johann Lukas von Hildebrandt durchsetzen konnte.

Die Karlskirche war Fischers ambitioniertestes Projekt. In seiner langen Karriere als Hofarchitekt unter Leopold I., Josef I. und Karl VI., war Fischer prägend für eine Vielzahl von Gebäuden in Wien, Salzburg und dem Habsburger Reich. Immer wieder kombinierte er Stile aus verschiedenen Architekturrichtungen. Sein Ziel für die Karlskirche war die Vereinheitlichung der grundlegenden Elemente und Strukturen der wichtigsten Kirchen in der westlichen Welt: des Jerusalemer Tempel, der Hagia Sophia in Konstantinopel, des Pantheon, der Peterskirche in Rom, des Invalidendoms in Paris und der St.-Pauls-Kathedrale in London.

Bereits 1716 wurde mit dem Bau begonnen. Als Fischer 1723 im Alter von 66 Jahren verstarb, wurde der Bau von seinem Sohn Joseph Emanuel, der die Pläne zum Teil änderte, fertiggestellt. Von ihrer Fertigstellung 1737 bis zum Jahr 1918 war die Karlskirche die kaiserliche Patronatspfarrkirche.

Architektur der Karlskirche

Karlskirche Mittschiff
Bild ©  Verein der Freunde und Gönner der Wiener Karlskirche

Entsprechend seinem Ziel vereinte Johann Bernhard Fischer von Erlach in der Karlskirche die unterschiedlichsten architektonischen Elemente. Die Fassade in der Mitte, die zur Vorhalle führt, entspricht einem griechischen Tempelportikus. Die beiden Säulen daneben haben die Trajanssäule in Rom zum Vorbild. Links und rechts davon erstrecken sich die beiden Turmpavillons, die vom römischen Barock beeinflusst sind. Über dem Eingang erhebt sich eine Kuppel mit 25 Meter Durchmesser und langem Tambour, der vom jüngeren Fischer verkürzt und teilweise verändert wurde.

Die Ikonografien stammen vom Hofbeamten Carl Gustav Heraeus und verbinden den Heiligen Karl Borromäus mit seinem kaiserlichen Stifter Karl VI. Das Relief auf dem Giebel über dem Eingang mit den Kardinaltugenden und die Figur des Patrons auf der Giebelspitze deuten auf den Stiftungsanlass. Die Säulen in der Attika zeigen in einem Spiralrelief Motive aus dem Leben Karl Borromäus, erinnern aber auch von der Gestaltung her an die Säulen des Herakles und fungieren gleichzeitig als Symbole kaiserlicher Macht. Flankiert wird der Eingang von Engeln des alten und neuen Testaments.

Das Bild am Hochaltar stellt die Himmelsfahrt des Heiligen Borromäus dar. Konzipiert wurde es vom vom älteren Fischer, ausgeführt von Ferdinand Maximilian Brokoff. Die Altarbilder in den Seitenkapellen stammen von verschiedenen Künstlern, unter anderem Daniel Gran, Sebastiano Ricci, Martino Altomonte und Jacob van Schuppen.

Karlskirche Mittschiff
Bild ©  Verein der Freunde und Gönner der Wiener Karlskirche

Beeindruckend ist auch die Lichtregie und die architektonische Gliederung, insbesondere die hohe Arkadenöffnung in der Hauptachse. Marmor ist die dominante Farbe, Gold wurde bewusst nur sparsam eingesetzt. Ein großes, rundes Glasfenster hoch über dem Hauptaltar mit dem hebräischen JHWH–Tetragramm symbolisiert Gottes Allmacht und durch seinen warmen Gelbton gleichzeitig Gottes Liebe.

Mozart Requiem • Vivaldi Vier Jahreszeiten

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